Kurzbiografie Josef Dilger

Der Maler, Graphiker, Musiker und Lehrer Josef Dilger, lebte von September 1927 bis zu seinem Tode am 8. Juni 1972 in Reinhartshausen.

Am 10. November 1899 in Neuhausen jetzt Marxheim (Rain am Lech) als Ältester von sechs Geschwistern in einem Lehrerhaus geboren, verbrachte er seine frühe Kindheit in Trugenhofen in der Steinpfalz nördlich der Donau und später über 17 Jahre in Hopferbach im Allgäu, wo er seiner väterlichen Herkunft in Niederstaufen bei Wangen und weiter zurück im Schwarzwald näher war. Präberandenschule und Lehrerseminar in Lauingen waren die ersten Stationen auf einem vom Beruf des Vaters vorgezeichneten Weg.

Als Kriegsfreiwilliger des Königlich Bayerischen Leibregiments gerät er in die Stahlgewitter der Flandernschlachten bei Ypern und holt sich eine schwere Gasvergiftung.

Nach seinem Praktikum in Hopferbach entdeckte er als Aushilfslehrer in Augsburg seine künstlerische Neigung und studierte am Städtischen Konservatorium Cello. Daneben aber nimmt er bei dem langjährigen Direktor Glogger in dessen privater Mal-Akademie Zeichen- und Malunterricht und lernt die Technik seiner späten Kunst.

Als Eltern von nunmehr einer kleinen Tochter verlassen Josef Dilger und Ehefrau Emma geb. Ahr, das stille Bergdorf Balderschwang und ziehen 1927 nach Reinhartshausen um, wo die Familie um zwei weitere Töchter wuchs. Mit zeitweiligen Unterbrechungen leitete das Lehrerehepaar bis 1956 die kleine Dorfschule mit viel Fleiß, Umsicht und Verantwortung. Mit dem ausgeprägten erzieherischen Gespür eines von Haus aus vorbestimmten Pädagogen brachten sie den Kindern neben Lesen, Schreiben und Rechnen auch viele Lebensarten bei.

Der 1939 ausbrechende Krieg unterbricht das ungemein schöpferische Leben zwischen Schulstube und Atelier im Dachboden des Schulhauses. Der Frontsoldat des Ersten Weltkrieges macht in Augsburg Dienst in einem Landesschützenbataillon und kehrt als Oberfeldwebel (1945) aus amerikanischer Kriegsgefangenschaft in das Schulhaus seiner Staudengemeinde zurück. Während seiner Abwesenheit sorgte sich seine Frau Emma um die Schulkinder.

In der Nacht zum 15. Februar 1946 brannte im benachbarten Schlossgut Hardt die Kirche ab. Unter Lebensgefahr rettete Josef Dilger einige Kunstgegenstände, darunter die wertvolle gotische Figurengruppe der Heiligen Anna-Selbdritt aus der Zeit um 1940 und 15 Kreuzwegbilder. Die Schlossherrschaft bedankt sich für die mutige Tat mit Bauholz, womit sich der Künstler einen lang gehegten Wunsch erfüllen konnte. Den tristen Dachboden des Schulhauses konnte er nun verlassen und in das mit dem geschenkten Holz erbaute Atelier am Südrand des Schulgrundstückes umziehen.

Ab Juni 1948 konnte Josef Dilger den Schuldienst wieder aufnehmen. Dilger arbeitete unentwegt, entweder als Lehrer, Kirchenorganist oder als Künstler. Immer war er auf der Suche nach neuen Materialen und Techniken. Er experimentierte beim Spannen der Leinwand, beim Mischen der Farben oder bei der Auswahl der Motive.

In der dörflichen Abgeschiedenheit, aber auch auf Reisen nach Österreich, Italien oder Jugoslawien, schuf er einige hunderte Bilder, Kaltnadelradierungen, Holzschnitte und selbst gedruckte Grafiken.

Dilger beteiligte sich, oft zusammen mit den „Ecke-Künstlern", an vielen Ausstellungen in Augsburg und München und auch an anderen Orten. Auch in vielen Häusern seiner Wahlheimat Reinhartshausen hängen Werke des geschätzten und anerkannten Künstlers und werden stolz vorgezeigt.

Ludwig Wiedemann

 

Literaturquellen:

Um uns ist Heimat: Richard Wagner, Schwabmünchen 1986 und Jahresbericht 1977 des Heimatvereins für den Landkreis Augsburg e. V.

Katalog der 24. großen Kunstausstellung in Augsburg

„Über den Maler Sepp Dilger" von Rudolf Bach in: Der Schwäbische Postbote vom 03.10.1942 Katalog Oberschönefeld 1996

„Josef Dilger - Ein schwäbischer Maler und Graphiker - 1899 bis 1972"; Katalog zur Ausstellung im Museum des Bezirk Schwaben in Oberschönenfeld von Mechthild Müller, 1996 (Schriftenreihe der Museen des Bezirk Schwaben, Band 13, Herausgeber Hans Frei)