Bobinger Sagen

Bobinger Büble

Das Bobinger Büble

Die Büble-Sage

Es gibt mehrere Fassungen dieser Geschichte vom "Bobinger Büble". In einer zweiten, späteren Fassung endet sie sogar mit der Verhaftung und Hinrichtung der Sagenfiguren.

Dies kann jedoch historisch nicht richtig sein, da es in Bobingen keinen Galgen gab und demnach keine Hinrichtungen vorgenommen wurden. Die Hinrichtungsstätte der hochstiftischen Hochgerichtsbarkeit hatte ihren Standort in Schwabmünchen.

Die folgende Sage ist die früheste Fassung nach Alexander Schöppners "Bayerische Sagen".

 

"Drei Stunden südlich von Augsburg, an der sogenannten Hochstraße, liegt das große und schöne Dorf Bobingen. Da ist es aber nicht gut zu fragen: "Wo geht's Bobingen zu?", und gar manche haben darob blutige Köpfe davongetragen: zum mindesten wird einer mit Schimpf und Spott und den lästerlichsten Reden traktiert, er mag nur fragen, wen immer er will. Dies kommt nun daher: Es war einmal vor langer Zeit ein Bursche von Bobingen zu Gericht belangt. Der Beklagte wandte sich an einen Advokaten in Augsburg, der im Ruf stand, daß er alles "durchfechten" könne. Dieser gab ihm den Rat, sich vor Gericht blödsinnig zu stellen, und auf jede an ihn gerichtete Frage die Antwort "Bobingen zu" zu geben, und dabei mit der rechten Hand unter der Nase von der rechten nach der linken Seite zu zeigen. Er tat genau, wie ihm geraten war und wurde, da weder ein Geständnis noch etwas anderes aus ihm herauszubringen war, vom Gericht entlassen. Nach einiger Zeit kam er Geschäfte halber in die Stadt und begegnete dem Advokaten, der ihn neugierig um den Ausgang des Verfahrens fragte. Nachdem er vom glücklichen Erfolg gehört hatte, sagte er: "Nun ist's aber an dir, mich für diesen Rat zu belohnen; ich verlange für meine Bemühung zwei Karolin."

Der Bursche aber warf dem Verblüfften ein "Bobingen zu" hin, bog um das Straßeneck und läßt seit der Zeit den Advokaten auf seinen Lohn warten."

 

Im Bobinger Stadtboten, Ausgabe 09/2017, ist zu dieser Sage auch ein interessanter Beitrag des Bobinger Heimatforschers Franz Xaver Holzhauser zu finden: "Auf der Spur der Bobinger Büble-Sage, ein Indizienbeweis!".

Anbei auch der Link zu dem im Beitrag erwähnten Leserbrief von 1833 im Augsburger Tagblatt zum Thema „wo geht´s Bobingen zu“: https://digipress.digitale-sammlungen.de/view/bsb10503749_00301_u001/2?cq=Bobingen

 

 

Wie die Bobinger das Geräucherte erfanden

Fundquelle der folgenden Sage ist das Heimatbuch des Landkreises aus dem Jahr 1974, Seiten 360/361

 

"Es war im Dreißigjährigen Krieg. Die Schweden rückten immer näher gegen Bobingen. Die Bauern und Bürger flüchteten mit Weib und Kind in den damals noch befestigten Kirchhof und richteten sich dort zur Verteidigung ein. "Auf der Wies", wie der nordwestliche Ortsteil von Bobingen heute noch genannt wird, besaß der Wiesschuster ein kleines Gütlein (heute Singoldanger Nr. 8). Er hatte, bevor er mit seinem Weibe, der Monika, im Friedhofe Schutz gesucht und sich den Verteidigern zur Verfügung gestellt hatte, ein fettes Schwein geschlachtet und eingepökelt mit Salz, Wacholderbeeren und würzigen Kräutern. In der Hoffnung, dass der Feind mit Gottes Hilfe und der Bürger und Bauern Tapferkeit doch bald geschlagen werde, suchte der Wiesschuster nach einem geeigneten Versteck, in dem sein Pökelfleisch für die doch nur kurze Belagerungszeit den neugierigen Blicken der Feinde entzogen war. Lange rieten sein Weib und er herum, ob man das Pökelfleisch vergraben oder im Heu verstecken solle, bis der Wiesschusterin der rettende Gedanke kam: "Wir verstecken das Fleisch im Kamin, da sucht bestimmt kein Schwede und kein Teufel danach!" Und weil der Wiesschuster gewohnt war, seiner Monika zu gehorchen, so folgte dem Gedanken auch alsbald die Tat: die gepökelten Schinken wurden im Kamin aufgehängt. Der Wiesschuster stand gerade im Ausguck auf dem Kirchturm, als die Schweden in das Dorf einmarschierten, und bald stiegen aus dem einen und anderen Kamin silbergraue Rauchwolken empor, wo sich die feindlichen Soldaten ein Süpplein kochten oder ein Huhn am Spieße brieten. Auch aus dem Kamin seines eigenen Häusleins sah der Schuster bald dicke Rauchwolken hervorquellen, und so gab er denn schon alle Hoffnung auf, dass er je noch ein Bröcklein genießbaren Fleisches vorfinden werde. Der beizende Rauch und der Ruß mussten nach seiner Meinung doch das ganze Fleisch verderben. Als der Feind abgezogen war, kehrte der Wiesschuster mit seinem Weibe in sein Häuslein auf der Wies zurück. Wie er auch gar nicht anders erwartet hatte, hingen die Schinken, schwarz wie Kohle, im Kamin, und er wollte sie schon im Garten vergraben, weil sie doch ungenießbar wären. Aber Monika, sein kluges Weib, wusch von so einem schwarzen Teufelsbraten, wie sie in ihrem begreiflichen Ärger die vermeintlich verdorbenen Schinken nannte, den Ruß ab, versuchte ein Bröcklein, schnalzte genießerisch mit der Zunge und ließ auch ihren verdrießlichen, daneben stehenden Mann kosten. Auch er fand den schwarzen Teufelsbraten köstlich - und so war das Geräucherte erfunden."
(Nach L. Mang)

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